re:publica 2012: Die Vorträge – Tag 2

Was bisher geschah. Und dann gleich weiter mit dem zweiten Tag:

Die Wiederentdeckung der Langsamkeit – Warum Podcasts funktionieren, 3.5., 10:00, Stage 1
Tim Pritlove, Gottvater der deutschen Podcast-Szene und einer der wenigen, die damit tatsächlich Geld verdienen können, erklärte warum und wie gute Podcasts funktionieren und ihr Publikum finden können. Interessant war, daß er für seine Podcasts aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen Feedback bekommt. So identifizierte er z.B. bestimmte Berufsgruppen, die die perfekte Zielgruppe für 2-3-stündige Sendungen sind: Lokführer, Paketausfahrer, Radioreparier und Hausfrauen/männer. Er berichtet auch von einem Blogger, der auf seiner Seite Trollprobleme hatte. Nachdem er auf Podcasts umgestellt hatte, mäßigte sich der Kommentarton. Pritlove führte das darauf zurück, dass man sich gegenüber jemandem, dessen Stimme man gehört hat, freundlicher verhält. Außerdem erzählte er noch von einem der ersten interaktiven Call-in-System (Die Villa) Anfang der Neunziger. Dort konnten die Nutzer in verschiedene Räumen mittels Sprachsteuerung  navigieren und miteinander reden. Als die ersten Trolle auftauchten, wurden diese recht effektiv damit bekämpft, dass man andere User mit zusätzlichen Moderationsrechten ausstattete und, das fand ich die beste Idee, die Trolle einfach gemutet hat. D.h. sie konnten weiter reden, nur keiner bekam es zu hören.

„Was hab ich?“, 3.5., 11:45, Stage 7
Ansgar Joniez stellte in einer halben Stunde sein Projekt washabich.de vor. Dort kann man seinen vor Fremdworten strotzenden medizinischen Befund hochladen und bekommt den dann von qualifizierten Medizinstudenten übersetzt. Das ganze mit Non-Profit-Ansatz und ehrenamtlichen Beratern klang sehr sympathisch und wird auch von einigen Ärztevereinigungen und anderen Beratungsstellen unterstützt. Das einzige Problem ist momentan nur der große Andrang, weshalb sie immer mal wieder die Pforten dicht machen müssen.

Social TV – Trends and Visions, 3.5., 12:30, Stage 4
Da Karina Fisguss leider ausfiel bestritt Uwe Schnepf von nacamar die Veranstaltung alleine. Das ganze war dann auch mehr eine, teilweise ganz nette, Firmenpräsentation anhand eines Pilotprojektes, welches nacamar momentan mit dem Pay-TV-Sender kinowelt.tv durchführt. Im Endeffekt ist das ein bunterer Videotext, bei dem die Interaktivtät darin besteht seinen Freunden über Facebook und Twitter mitzuteilen, was man gerade anschaut. Über inhaltliche Ansätze, wie man TV parallel begleiten kann und den viel besprochenen Second Screen wurde leider kaum geredet.

Uebermogen.tv – Neues aus der Zukunft, 3.5., 13:45, Stage 2
Mario Sixtus zeigte einen seiner kleinen Filmchen aus der ziemlich gut gemachten uebermorgen.tv – Reihe zum Thema Reputationsökonomie.

Danach wurde auf einem gut besetzen Panel mit Mercedes Bunz, Christoph Kappes und Christian Heller über Netzkarma, Netzreputation, Klout und Chancen und Gefahren gesprochen. Das war bestimmt gut, aber ich musste den total überfüllten Saal leider verlassen und den Akku (iPhone und meinen) aufladen.

Quantified Self – Die technologische Entdeckung des Individuums, 3.5., 15:00, Stage 7
Über die ganze Bodytrackingbewegung hatte ich schon mal was auf SpOn gelesen. Florian Schumacher gab einen kurzen, natürlich total unkritischen, spannenden Einblick in die internationale und deutsche Quantified-Self-Szene. Grundsätzlich geht es darum Daten seines Körpers zu erfassen und auszuwerten. Entweder nur für sich alleine oder in der Community. Kritikansätze gibt’s da viele: Was passiert mit den Daten über Schlafverhalte oder Blutzuckerwerte, die man auf den Server eines fremden Anbieters überträgt? Ist Anonymität gewährleistet? Was ist, wenn meine Krankenkasse Zugriff auf die Daten bekommt? Und außerdem ist diese ganze neoliberale Selbsoptimierungsscheisse doch eh total unsympathisch.

Andererseits: Ohne meine Tracking-App beim Joggen wäre ich wahrscheinlich noch weniger motiviert rauszugehen. Und für den diesjährigen Haarathon  werde ich tatsächlich versuchen mit @lermann über  runkeeper.com eine einigermaßen sinnvolle Vorbereitung hinzubekommen. Und wenn Florian Schumacher von dem Hersteller einer Schlafmatte erzählt, der damit jetzt schon die weltgrößte Schlafverhaltensdatenbank aufgebaut hat, könnte das für die Forschung ziemlich von Nutzen sein.

Die Pro und Contras wurden höchstwahrscheinlich in dieser Folgeveranstaltungen diskutiert, an der ich leider nicht teilnehmen konnte, weil:

Blogger im Gespräch, 3.5., 16:15, Stage 2
Philip Banse, dessen Podcast medienradio ich nur wärmstens empfehlen kann, interviewte vier Blogger, jeweils 15 Minuten. Und das tat er sehr gut.  Überragend in Erinnerung bleiben wird Sozialheld und Erfinder der wheelmap, Raul Krauthausen. Extrem charmant, klug und witzig machte er auf die Probleme von Behinderten im Alltag aufmerksam und gab neue Denkanstöße. Es gibt gibt nämlich nur Rollstuhlfahrer und Noch-nicht-Rollstuhlfahrer. Mir war auch nicht klar, wie wichtig integrative Bildungseinrichtungen sind. Denn nur wenn Rollstuhlfahrer (wahlweise andere Behinderung einsetzen) und Noch-nicht-Rollstuhlfahrer  zusammen lernen und aufwachsen kann sich deren beidseitiges Verhältnis normalisieren und Vorurteile und v.a. Unsicherheiten werden abgebaut. Mit in Sonderschulen weggesperrten Behinderten, die in der Öffentlichkeit nicht auftauchen klappt das nicht. Das ist eigentlich alles ziemlich logisch und simpel, aber die Gesellschaft handelt nicht danach.

Rotfunk! Schwarzfunk! Böse Medien, 3.5., 17:30, Stage 4
Deef Pirmasens von queer und Simone Stoffers von extra3 plauderten ein bisschen aus dem Nähkästchen, wie das Feedback auf ihre Sendungen im Netz so ist und warum und wie sie ein bestimmtes Thema aufbereiten. Unterhaltsam.

Trollen oder getrollt werden – Das ist hier die Frage, 3.5., 19:00, Stage 2
Keine Ahnung was das sollte. Ziel könnte gewesen sein, den ganzen Saal bis zum Ende leerzutrollen. Bei uns hat’s nach 3 Minuten funktioniert und dann zum Glück rüber zum:

Webvideopreis Fail-Award, 3.5., 19:00, Stage 1
Nominiert für die Goldene Sellerie waren:

BMW hat gewonnen.

Royal Revue III – Das große Finale, 3.5., 20:00, Stage 2
Da @nilzenburger und @hermsfarm zum letzten mal auftraten, wollte ich mir das nicht entgehen lassen.  Die erste halbe Stunde Powerpointpräsentation war tatsächlich meistens lustig. Das anschließende Bingo zog sich dann doch etwas zäh über eine Stunde. So konnte man zwischendurch aber gut das restliche Internet abchecken und auf Twitter lesen, dass die parallel stattfindende Poetry-Spam-Lesung wahnsinnig lustig war.

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