South by Southwest – Road Trip mit Kindern (Teil 1)

Anfang des Jahres hatten wir das große Glück einen vierwöchigen Road-Trip durch den Südwesten der USA zu machen. Mit ein bisschen Abstand versuche ich das Geschehene aufzubereiten und ein paar Tipps und Erfahrungen zusammenzutragen, die vielleicht für Andere mit ähnlichen Plänen nützlich sein könnten. Alles auch immer unter dem Aspekt „Reisen mit 2 Kindern im Alter von 3-5 Jahren“.

Los geht’s in Teil 1 mit allen Infos zur Reisevorbereitung.

Die Route

wandkarteUngefähr vier Monate vor Reisebeginn haben wir uns eine Wandkarte vom Südwesten der USA in die Küche gehängt und mit Pins und Gummis grob die Route abgesteckt, die wir uns vorstellten. Auf den roten Zetteln standen jeweils die Entfernungen zwischen den einzelnen Orten. Das geschah alles recht blauäugig ohne große Vorrecherche von geografischen Besonderheiten und Hindernissen. Tollerweise konnten wir uns dann aber bei der Umsetzung, mit einer großen Ausnahme, fast exakt an den Plan halten (dazu dann im späteren Verlauf der Reihe mehr).

Wenn uns damals jemand gefragt hat, wo wir denn entlang fahren wollen, sagten wir stets: „In Phoenix landen, dann nach rechts rüber, in Las Cruces Freunde besuchen und dann weiter, einmal im Kreis und wieder nach Phoenix zurück.“

Der Flug
Von Deutschland aus ins Landesinnere der USA gibt es selten Direktflüge. Meistens läuft es so, dass man übers Meer bis irgendwohin an die Ostküste fliegen muss und dann noch mal 2-6 Stunden Innlandsflug zum endgültigen Ziel hat. Unser Flug ging von München nach Philadelphia, weiter nach Phoenix (zumindest theoretisch, dazu gleich mehr). Flüge im Internet zu recherchieren kann ziemlich schmerzhaft und unübersichtlich sein. Ich empfehle an dieser Stelle gerne das Vergleichsportal KAYAK. Das fand ich am übersichtlichsten und sehr komfortabel zu bedienen. Außerdem kann man sich mit der KAYAK App auch auf einer Zeitleiste die Preisentwicklung einzelner Flugstrecken anschauen und sich so den idealen Urlaubszeitraum mit nicht ganz so teuren Flügen heraussuchen. Über KAYAK wurden wir dann weitergeleitet auf airline-direct, wo wir unsere Flüge buchten. Das war soweit alles o.k. und hat auch gut geklappt.

Preisvergleich mit der KAYAK App
Preisvergleich mit der KAYAK App

Angenommen der Abflug verzögert sich dann spontan um einen Tag, man muss eine Zwischenübernachtung in Frankfurt einlegen und kommt insgesamt mehr als 24-Stunden später am Zielort an, dann sollte man sich auf keinen Fall mit, zunächst verlockend klingenden, Fluggutscheinen abspeisen lassen. Die Fluggesellschaft muss die Entschädigung auf jeden Fall auch in Bar ausbezahlen. Sie sagt einem das nur nicht freiwillig, lenkt nach einer weiteren E-Mail aber schnell ein. Gerichtsurteile, Argumentationshilfen, Informationen und sogar Dienstleistung findet man z.B. hier, hier, hier, hier oder hier.

Reisezeit
Wir waren von Mitte Mai bis Mitte April unterwegs. Das hatte zum einen den Vorteil, daß die Flüge noch einigermaßen erschwinglich (s.o.) waren und zum anderen war das Wetter alles in allem sehr gut. In der Wüste war es noch nicht zu heiß, in den kälteren Gebieten aber auch nicht mehr zu kalt (einmal fuhren wir innerhalb eines Tages durch das knallheiße Death Valley um am nächsten Abend schon am Lake Tahoe, wo noch Snowboard-Nachsaison war, zu übernachten)

Auto vs. Wohnmobil
Am Anfang dachten wir, daß es ziemlich cool wäre mit einem dicken Wohnmobil durch die Wüste zu fahren (und ein bisschen Crystal Meth zu kochen). Schnell fanden wir es aber ziemlich uncool, daß das für 4 Wochen mehr als 2500 €  kosten würde (darin noch nicht enthalten die Stellplatzgebühren). Außerdem fanden wir es auch wenig attraktiv mit einem Riesenschiff in Städte wie Los Angeles oder San Francisco einzufahren. Dann also doch ein normales Auto. Normal bedeutet in den USA:  SUV. Als ADAC-Mitglied fanden wir einen Mittelklassewagen für knapp 1000 €.  Der bot genug Platz für drei Koffer, zwei Erwachsene, zwei Kinder, viel Innenraummüll und tat gute Dienste.

Kindersitze kann man zusätzlich mieten. Das wird aber ziemlich teuer. Besser man geht in den nächsten Walmart und kauft sich Sitze für 40$. Ebenso sollte man mit dem Navigationsgerät verfahren. Beides kann man dann ohne Probleme (Kindersitze gehen immer als kostenloses Zusatzgepäck durch) mit nach Deutschland nehmen und dort wieder verkaufen.

Smartphone, Internet und Apps
Soweit ich das rausfinden konnte, sind die Mobilfunknetze der meisten US-Anbieter entweder inkompatibel mit deutschen Geräten oder SIM-Karten für iPhones sind an Mobilfunkverträge mit langen Laufzeiten gebunden, die noch dazu nur an US-Kunden vergeben werden. Alexander Kurz beschreibt in seinem Blog ausführlich, wie man den GoPhone-Tarif von AT&T mit einigen Tricks nutzen kann. Das ist leider exakt so kompliziert, wie es da steht und nach genau zwei Wochen wurde uns dann auch, wie hier in den Kommentaren beschrieben, der Datenhahn abgedreht. Einziger Vorteil des GoPhone-Tarifs: Man kann für vier Wochen kostengünstige Inlandstelefonate führen.

Das ist aber alles nur halb so schlimm, denn es gibt WLAN. Und zwar nicht zu knapp. 99% unserer Hotels hatten kostenloses WLAN. WLAN in Shopping-Malls, Burgerketten, freies Stadt-WLAN. Man hat mindestens zwei mal am Tag irgendwo drahtloses Netz.

Grundsätzlich wäre der ganze Urlaub ohne Internet wesentlich unkomfortabler gewesen. Folgende Apps haben uns das Leben sehr erleichtert:

  • Booking.com
    Auf jeden Fall gleich zu Beginn einen Account bei booking.com anlegen. Komfortabler und kurzfristiger als mit der App kann man kaum Hotelzimmer buchen.
  • Instagram
    Zur Dokumentation der Reise sehr praktisch. Es empfiehlt sich auch ein eigener Hashtag. #howdyheibie ist aber schon vergeben.
  • Foursquare
    Zum einen findet man darüber immer mal wieder nette Restaurant oder Hoteltipps, zum anderen kann man damit sehr gut die komplette Reise tracken, was wiederum sehr praktisch ist, wenn man erst ein halbes Jahr später darüber bloggt.
  • Yelp
    Hat uns einige gute Lokale finden lassen.
  • TripAdvisor
    Mit den TripAdvisor-Apps findet man brauchbare Ideen, wie z.B. kinder- und familienfreundliche Touren durch San Francisco. Über die Weboberfläche des Dienstes kann man sich parallel zu Foursquare auch noch mal eine Trip-Liste des gesamten Urlaubs anlegen. Das hier ist eine ziemlich komplette Liste aller Orte, die wir besucht haben.
  • Einheitenumrechner
    Dollar und dann noch Unze, Gallone, Fahrenheit und Zoll. Kein Euro und kein metrisches System weit und breit. Irgendeine Umrechnungs-App sollte man mitnehmen. z.B. die hier.

Kreditkarte
Pflicht! Ich hab normalerweise keine. Bei Barclaycard kann man eine buchen, die im ersten Jahr kostenlos ist. Hat sehr gut funktioniert und ist mittlerweile wieder rechtzeitig gekündigt.

Hotels
Standard. Und zwar immer der gleiche. In wirklich jedem Ort gibt es an den Durchgangsstraßen immer die gleichen Kettenhotels. Für 40-80$/Nacht bekommt man okayen bis sehr guten Standard. Häufig kann man den dicken SUV direkt vor der Zimmertür parken und hat so wenig Schleppaufwand. Nur das Frühstück ist immer eine Katastrophe. Man muss auch nicht lange im Voraus buchen. Wir haben die meisten Hotels immer erst am Abend davor reserviert.

Reisen mit Kindern
Hat sehr gut funktioniert. Unsere waren zu dem Zeitpunkt 3 und 5 Jahre alt. Der Flug ist ziemlich lang (insgesamt mit Umsteigen knapp 16 Stunden). Allerdings hat man bei Transatlantikflügen mittlerweile standardmässig individuelle Entertainmentsysteme im Vordersitz eingebaut. Das überbrückt ein paar Stunden mit Kinderfilmen.  Dann noch ein paar Touchgeräte, Apps, Vorlesebücher, genug Knabberkram und man kommt gut übers Meer.

Unser Road-Trip hatte seinen Namen voll verdient. Wir waren insgesamt knapp 6500 Kilometer auf der Straße. Die Entfernungen in den USA sind wesentlich größer als im dicht besiedelten Deutschland. Im Schnitt dauerte eine Tagestour immer so 3-4 Stunden. Die Kinder gewöhnten sich daran aber ziemlich schnell und mit den auch zu Hause bewährten Beschäftigungsmaßnahmen (Hörspiele, Quatschspiele, Landschaftangucken und Autoschlaf) hat das zu großen Teilen stressfrei funktioniert. Da man ohne Auto sowieso aufgeschmissen ist, fährt man überall mit dem Auto hin und dort dann immer bis direkt vor die Tür. Auch bequem.

Restaurants sind durch die Bank kinderfreundlich. Es gibt überall gleich Malstifte und Spielzeug. Auf fast allen Toiletten Wickelmöglichkeiten und, sehr praktisch, tiefergelegte Pissoirs.

In Hotels gibt es immer eine Zimmeroption mit zwei Queensize-Betten. Das reicht locker aus und kostet nicht viel mehr. Man zahlt immer pro Zimmer und nicht pro Person.

Nicht unterschätzen sollte man den Jetlag. Wobei der sowohl Erwachsene als auch Kinder trifft. Die ersten fünf Tage waren wir jedenfalls immer geschlossen um 4 Uhr wach.

Grundsätzlich gilt natürlich, was immer für Reisen mit Kindern gilt: Pausen einplanen, das Programm nicht so voll packen.

Im zweiten Teil geht’s dann weiter mit dem ersten Abschnitt der Tour. We came for the Desert! Wüste, Wüste und noch mehr Wüste.

4 Gedanken zu „South by Southwest – Road Trip mit Kindern (Teil 1)“

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