Projekt Downgrade #3 – Finanzen

Unser familiärer Finanzstatus vor ca. fünf Jahren war folgender: Jeder jeweils ein eigenes Girokonto, ein gemeinsames Girokonto, jeder diverse Fonds- und Festgeldanlagen, von denen man größtenteils gar nicht mehr wusste, warum man sie mal gekauft hatte, ob die überhaupt noch sinnvoll waren und wen man damit überhaupt unterstützte.

Geld kam außerdem jeden Monat rein, wurde ausgegeben, zwischen den Konten hin- und hergeschoben, per Einzugsermächtigung mal von diesem, mal von jenem Konto abgebucht und am Monatsende war manchmal was übrig, manchmal nicht. Warum das so war, blieb unklar. Ein kompletter Überblick über unsere wirkliche finanzielle Situation war schwierig und umständlich zu erstellen. Mit ein paar wirksamen Änderungen hat sich das stark gebessert:

Das Haushaltsbuch

Das Prinzip ist einfach: Man erfasst monatlich alle Ausgaben und Einnahmen, kategorisiert sie, unterscheidet fixe und flexible Kosten und hat dann am Monatsende eine schön aufgeschlüsselt und erklärte rote oder schwarze Zahl. Von 2009–2011 hab ich das mit dieser Excel-Tabelle gemacht (Direktlink zur .XLS-Datei). Schön ist das nicht, aber es erfüllt seinen Zweck. Man kann seine Fixkosten und Einnahmen, flexible Kosten und Sondereinnahmen eintragen. Die Kategorien kann man auf die eigenen Bedürfnisse noch anpassen und am Ende hat man immer gut den Überblick, ob man noch im grünen Bereich ist.

Ab 2012 hab ich mich dann nach einer richtigen Software umgesehen. Für den PC dürfte das WISO Haushaltsbuch ganz gut sein, unter OSX gibt es das leider nicht. Und grundsätzlich siehts auf Macs mit Finanz- und Bankingsoftware eher mau aus. Nach ausführlichen Tests bin ich schließlich bei iFinance gelandet. Die Software ist nicht hübsch und Updates sind rar gesät, aber sie deckt ziemlich genau meinen Bedarf:

  • Kontodaten per HBCI abholen
  • Verwaltung mehrerer Konten
  • Kategorien
  • Erstellung individueller Berichte
  • Budgetpläne
  • wiederkehrende Buchungen

Bankwechsel

Wir hatten verschiedene Konten bei der comdirect, Postbank und der Volksbank. Jetzt haben wir nur noch ein Girokonto und das ist bei der GLS Bank. Die sind politisch ziemlich korrekt, d.h. die Gefahr sein Geld unwissentlich in Waffen zu investieren ist gering. Außerdem kann man alle Geldautomaten der Volks- und Raiffeisenbanken kostenlos nutzen, Online- und Telefonbanking praktizieren und es gibt ein Büro in München. Außerdem bloggt @buddenbohm für die. Nach knapp zwei Jahren kann ich die GLS Bank immer noch empfehlen.

Der Wechselvorgang an sich war leider alles andere als einfach. Anders, als beim Umzug in eine neue Wohnung, gibt es keinen Nachsendeantrag mit dem Dauerüberweisungen oder Einzugsermächtigungen einfach weitergeleitet werden. Der Wechselvorgang dauert lange, ist umständlich, manchmal ziemlich nervig und geht in etwa so:

  1. Auf allen bestehenden Konten Daueraufträge und Einzugsermächtigungen erfassen. Das ist leider gar nicht so einfach, weil viele Einzugsermächtigungen nur 1–2 mal im Jahr aktiv werden. Man muss also die Kontoauszüge mindestens ein Jahr lang zurückgehen.
  2. Das neue Konto eröffnen.
  3. Nach und nach alle Einzugsermächtigungen und Daueraufträge umschreiben. attac hat hier im Rahmen der Aktion “Krötenwanderung” eine ganz gute Checkliste zusammengestellt.
  4. Die alten Konten mindestens noch ein Jahr weiter laufen lassen. Bei mir war tatsächlich der Fall, dass die comdirect-Bank ein Depotverrechnungskonto hat laufen lassen, obwohl das Depot dazu von mir ordentlich gekündigt wurde und ich keinen Online-Zugang mehr dazu hatte, nur weil auf irgendeinem Formular ein Häkchen nicht richtig gesetzt war. Zwei Jahre später wurden mir dann recht überraschend Gebühren dafür berechnet. Dem Service habe ich dafür versprochen, die comdirect noch mal explizit negativ zu erwähnen: Die comdirect ist nicht gut. Ich kann sie nicht empfehlen.

Der ganze Vorgang hat bei mir mit allen Depots, Festgeld- und Girokonten gute 1,5 Jahre gedauert. Jetzt ist aber alles schön ordentlich und ich muss meine Kontostände nur noch bei einer Bank abfragen.

Bargeld

Wir zahlen die meisten der täglichen Ausgaben mit Bargeld. Das sorgt dafür, dass man ein besseres Gefühl dafür bekommt, wie viel Geld man ausgibt. Damit man nicht ständig zum Geldautomaten rennen muss, hebt man am Monatsanfang einen Betrag ab, der in einem normalen Monat als Budget reicht. Mit dem Haushaltsbuch kann man den relativ schnell ermitteln. Das Geld dann zu Hause in eine Kiste und immer mal wieder was rausnehmen. Ist die Kiste leer, weiß man, dass man am Limit ist. Das klingt ziemlich banal, hat aber mein Gefühl für Ausgaben stark verändert. Davor hab ich jeden Kleinbetrag immer mit der EC-Karte bezahlt und da relativ schnell den Überblick verloren.

Das mag jetzt alles ziemlich offensichtlich und spießig klingen, aber ich kenn einige sehr schlaue Leute, die keinen Überblick über ihre Finanzen haben (wollen) und deshalb immer mal wieder in den Dispo rutschen oder sich verzetteln. Und so ein Haushaltsbuch ist jetzt z.B. echt kein Hexenwerk und läuft, einmal aufgesetzt, mit minimalem Pflegeaufwand.

4 Gedanken zu „Projekt Downgrade #3 – Finanzen“

  1. das ganze macht Mut den Schritt auch zu machen – was die Software für den Mac angeht, moneymoney ist für mich derzeit ungeschlagen.

    Das hilft mir trotz 4 Banken für unterschiedliche Dinge die Übersicht zu haben.

    Viel erfolg beim weiteren Downgrade.

  2. Ich benutze seit Jahren für Windows-PC „Wiso – Mein Geld“. Kostet um die 30 Euro pro Jahr und verwaltet alle gängigen Konten. Zudem gibt’s ohne Ende Auswertemöglichkeiten. Bin recht zufrieden mit der Software.

  3. Hmm

    GLS ist mir eigentlich sehr sympathisch und dein Schimpf über meine Bank Comdirect hat mich gleich mal motiviert bei der GLs reinzuschauen aber 39 € im Jahr für ein Konto mit EC Karte (2€/Monat + 15 € für die Karte) ohne Kreditkarte (25/30) – da kommt der Ex Wahlschwabe durch….
    Mit dem Konsolidieren haben wir auch gespielt eventuell zur PSD (immerhin Genossen und günstiger als die GLS 🙂 allein der Aufwand *seufz*

  4. ich lebe im Ausland und da fällt unweigerlich die Wahl auf die DKB, kostengünstig und schnell. Top Service für uns, die wir Deutschland als Wohnort den Rücken gekehrt haben 🙂
    Grundsätzlich finde ich die Ideen von Heiko ne gute und sinnvolle Sache.
    Un Saludo de España

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