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Musik-Streaming-Dienste werden zunehmend populärer. Für einen geringen Betrag im Monat bekommt man Zugriff auf ein umfangreiches Archiv mit meist mehreren Millionen Musiktiteln.

Was weniger bekannt ist: Viele der Anbieter haben auch einiges an Hörbüchern und Hörspielen in ihrem Archiv. Das wird nicht groß beworben, wenn man aber ein bisschen in den jeweiligen Angeboten stöbert, kann man einige Schätze zu Tage fördern, die den Kindern tagelangen Hörspielspaß bescheren.

Ich habe im Folgenden sechs Streaming-Anbieter und einen Dienst, den man hier vielleicht nicht sofort erwartet, verglichen. Bei allen sieben Dienstleistern erhält man Zugriff auf ein umfangreiches Medienarchiv mit zahlreichen Kinderhörspielen.

Ausgangslage für den Vergleich ist eine selbsterstellte Top 16-Liste der populärsten Kinderhörspiele, die auf der Liste der meistverkauften Kinderhörspiele bei Amazon beruht.

Diese Liste habe ich mit den Angeboten von Apple Music, Spotify, Napster,Deezer, Audible und Google Play Music abgeglichen und somit eine Verfügbarkeitsquote errechnet.

Als siebten Dienst habe ich die örtliche Stadtbibliothek gewählt. Die bietet im Prinzip auch eine Medienflatrate. Und das schon ein paar Jahre länger als Spotify&Co. In der Nutzung unterscheidet sie sich natürlich von den digitalen Diensten, das Medienangebot ist aber durchaus vergleichbar. Exemplarisch habe ich das Angebot der Stadtbibliothek München, meiner Heimatstadt, ausgewertet. In allen großen Städten Deutschlands gibt es vergleichbare Bibliothekssysteme. In kleineren Städten wird das Angebot nicht ganz so umfangreich sein. Die Konditionen sind aber größtenteils ähnlich.


Was kostet das Abo?
Bei allen getesteten Streaming-Anbietern hat sich als marktüblicher Preis mittlerweile 10 € als Standard etabliert. Spotify und Apple Music bieten zusätzlich noch sogenannte Familienabos an. Damit kann man zu einem reduzierten Preis Accounts für weitere Familienmitglieder einrichten. Das hat den Vorteil, dass im eigenen Profil nicht plötzlich die Benjamin Blümchen-Playlist zwischen den alten Punkrock-Sachen auftaucht. Außerdem kann man die Angebote mindestens einen Monat lang kostenlos testen.

Bei Audible bezieht sich der Monatspreis allerdings lediglich auf ein Hörbuch/Hörspiel im Monat. Das Angebot zielt damit auf umfangreiche Hörbücher mit mehrstündiger Laufzeit ab und ist für den Konsum von kurzen Kinderhörspielen nur sehr bedingt geeignet.

Bei der Stadtbibliothek München sind Kinder unter 18 Jahren kostenlos, danach bezahlt man einen Jahresbeitrag von 20 €. In anderen Städten bewegt sich das meistens in einem ähnlichen Rahmen.


Wie lange ist die Vertragslaufzeit?
Bei den digitalen Anbietern kann man normalerweise immer zum Monatsendekündigen. Bei der Stadtbibliothek wird man Mitglied für mindestens ein Jahr. Wenn man dann nicht mehr bezahlt, erlischt die Mitgliedschaft automatisch.


Wo kann ich Hörspiele abspielen?
Die Streaming-Anbieter decken alle wichtigen Plattformen ab. Apple Musicfehlt momentan noch eine Android-App. Alle Anbieter bieten eine Offline-Funktion an, mit der man die Hörspiele auf das Smartphone laden kann, um auch dort zu hören, wo kein WLAN ist. Die Stadtbibliothek bietet zwar über dieOnleihe neben eBooks auch ein paar Hörspiele an, das Angebot ist dort aber noch sehr klein und der Ausleihprozess kompliziert. Man leiht hier noch klassisch CDs vor Ort aus.


Wie finde ich die Hörspiele?
Bei den Streaming-Plattformen muss man meistens gezielt über die Suche einzelne Hörspielreihen ansteuern. Für den Musikbereich findet man dort meistens umfangreiche Einstiegsseiten mit Top-Listen zu allen möglichen Genres. Hörspiele werden dort normal nicht gelistet. Es gibt auch einzelne Blogs oder Facebook-Gruppen, die gezielt Hörspiel-Playlisten zusammenstellen.

Bei der Stadtbibliothek kann man über den Online-Katalog recherchieren und direkt vor Ort in den Regalen stöbern und sich persönlich beraten lassen.


Wer hat am meisten Hörspiele?
Die genauere Auswertung findet sich in den Diagrammen weiter unten. Grundsätzlich hat keiner der Streaming-Anbieter Top-Titel, wie Die drei Fragezeichen oder LEGO Ninjago im Angebot. Das Angebot ist hier aber auch durchaus im Fluss. Es kann vorkommen, dass ein Titel, der gestern noch da war, heute auf einmal fehlt. Und andersrum.

Hier gewinnt ganz klar die Stadtbibliothek, die bei fast allen Hörspielreihen die größte Auswahl bietet. Insgesamt bekommt man dort knapp 80% der Top16-Hörspielliste. Weit abgeschlagen folgt Napster mit 33%.


Wie benutzerfreundlich sind die Angebote?
Das Abschließen eines Probeabos geht bei allen Streaming-Anbietern schnell von der Hand und die Apps lassen sich problemlos installieren. Nutzer des Apple-Dienstes iTunes-Match können nach momentanem Stand Probleme bekommen, wenn sie parallel Apple Music nutzen wollen.

Alle Apps der Streaming-Anbieter sind einigermaßen benutzerfreundlich, aber vor allem auf den Konsum von Musik ausgelegt. Oft findet man keine eigene Kategorie für Hörspiele und muss gezielt suchen. Hat man eine Reihe gefunden kann man sich dann aber über verwandte Künstler zu weiteren Titeln durchklicken. Einzelne Hörspielalben werden nicht in chronologischer Reihenfolge sortiert, was beim gezielten durchhören aller Titel stört.

Die Ausleihe bei der Stadtbibliothek ist um einiges umständlicher und eingeschränkter. Man kann Titel online reservieren, abholen muss man sie dann aber immer noch selbst. Ist ein Titel ausgeliehen, muss man warten. Vielen der CDs, die schon länger im Bestand sind, sieht man ihre Abnutzung oft an und verkratzte CDs verweigern auch gerne mal den Dienst und lassen sich nicht abspielen.


Fazit:
Die Streaming-Anbieter unterscheiden sich im Kinderhörspiel-Angebot kaum, kosten gleich viel und sind recht einfach zu bedienen. Ihnen fehlen aber durchgehend populäre Serien, wie z.B. Die drei Fragezeichen oder LEGO Ninjago. Wer ein paar Komforteinschränkungen in Kauf nimmt, bekommt bei der Stadtbibliothek fast alle Inhalte. Für Kindern meistens sogar noch kostenlos.


Hier die genauere Auswertung und der direkte Vergleich aller Anbieter:

Anmerkung: Die Einzelauswertungen wurden über die jeweiligen Suchfunktionen der Dienste durchgeführt. Doppelte Einträge wie z.B. Sammelboxen oder begleitende Musik-CDs einzelner Reihen, wurden manuell herausgefiltert. Deshalb und aufgrund der steten Fluktuation im Angebot der Streaming-Anbieter, kann es zu kleineren Ungenauigkeiten kommen. 

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