Einen Minecraft-Server für Kinder einrichten

Einleitung und FAQ

Mein Sohn hat letztes Jahr damit angefangen Minecraft zu spielen. Ein paar seiner Freunde auch. Damit sie nicht mehr alleine vor sich hinspielen müssen, habe ich ihnen einen Minecraft-Server eingerichtet. Wie das funktioniert und was ich dabei gelernt habe. 

In den FAQ geht es erst mal um Grundsätzliches und Erfahrungen, die ich in den letzten zwei Monaten mit vier Jungs (und einem Teilzeit-Minecraft-Mädchen) gemacht habe. Ich versuche alles so verständlich wie möglich zu beschreiben, damit sich auch Eltern, die noch keine oder wenig Erfahrung mit Computerspielen haben in das Thema einarbeiten können. Viele der Fragen, haben mir andere Eltern auch so schon in Echt gestellt.

Vorab an alle Minecraft-Experten: Ich beschäftige mich selbst erst seit ein paar Monaten mit dem Spiel und habe mich nach und nach eingelesen, bin also weit davon entfernt Profi zu sein. Auf Mods und alternative Versionen wie Bukkit gehe ich nicht ein. Wenn ich also Unsinn erzählen sollte oder ihr Anmerkungen oder Verbesserungen habt, ab in die Kommentare damit!

Was ist Minecraft überhaupt?

Minecraft ist ein sogenanntes OpenWorld Game, d.h. man läuft durch eine Welt, die unendlich groß ist. (früher war sie nicht ganz unendlich, hier ein netter Artikel über einen, der eine Reise zum Ende von Minecraft gemacht hat). Der Spieler wird aus der Ich-Perspektive gesteuert (wie man es auch aus Ego-First-Person-Shootern kennt). Die Grafik ist dabei im groben Klötzchenlook gehalten und besteht aus Wiesen, Wäldern, Bergen, Seen und Wüsten, die bevölkert sind von Menschen, Tieren und ein paar anderen Wesen, die manchmal nicht ganz so wohl gesonnen sind. Als Spieler sammelt man Gegenstände und baut Rohstoffe ab. Mit den gesammelten Rohstoffen, kann man dann weitere Gegenstände herstellen (craften) oder Gebäude bauen. Es gibt einen Tag/Nacht-Rhythmus und das Wetter ändert sich auch immer mal wieder.

Es gibt zwei verschiedene Spielmodi (eigentlich gibt es ein paar mehr, aber ich konzentriere mich hier auf die wichtigsten):

Kreativmodus
Hier hat der Spieler von Beginn an alle Rohstoffe und Gegenstände zur Verfügung und kann gleich drauflosbauen. Es laufen zwar auch Monster rum, die greifen aber nicht an und der Spieler kann (fast) keinen Schaden nehmen, also nicht sterben. Den Kreativmodus erwähnen Medienpädagogen bei Medienelternabend immer als erstes, weil er die besorgten Eltern beruhigt.

Überlebensmodus (Survival)
Hier steht der Spieler am Anfang fast nackt da und muss sich erst mal Rohstoffe zusammensuchen um eine erste Unterkunft zu bauen. Denn wenn es Nacht wird kommen die Monster raus und dann wird es brenzlig. Ein Haus mit verschließbarer Tür oder zumindest eine zugeschaufelte Höhle sind da Pflicht. In diesem Modus nimmt der Spieler Schaden durch Monsterangriffe, Stürze aus großer Höhe und anderen Umwelteinflüssen.

Beide Spielmodi kann man wiederum entweder alleine auf dem Rechner oder auf einem Minecraft-Server mit mehreren Spielern spielen.

Welche Minecraft Versionen gibt es?

Für Smartphones und Tablets gibt es Minecraft PE (Pocket Edition). Für Desktop-Rechner gibt es das klassische Minecraft, das auf PCs, Mac und Linux läuft. Außerdem gibt es noch einige Versionen für einzelne Spielekonsolen.

Außerdem gibt es inoffizielle, modifizierte Minecraft-Versionen, wie z.B. Bukkit. Die nicht modifizierte Minecraft-Ausgabe wir in Tutorials und Youtube-Videos manchmal auch als „Vanilla“ bezeichnet.

Wichtig ist: Diese Versionen sind nicht kompatibel zueinander, d.h. man kann mit einer Minecraft PE nicht auf einem Server mitspielen, der für die Desktop Minecraft-Edition angelegt wurde.

In der Praxis lief es bei uns dann auf die klassische „Vanilla“ Variante raus, weil eine Laptop/Desktoprechner in allen beteiligten Haushalten verfügbar war.

Ab wieviel Jahren kann man Minecraft spielen?

Die USK-Freigabe ist ab 6 Jahren. Die Kinder sollten auf jeden Fall schon ein bisschen Erfahrung im Umgang mit Maus und Tastatur haben. Meine Tochter (7) kommt in der Welt schon ganz gut klar, die Jungs sind bereits in der 3. Klasse und alle 9 Jahre alt. Unabhängig von den technischen Fertigkeiten, ist auch wichtig, wie reif die Kinder sind. Wie hoch ist ihre Frustrationgrenze? Was sind Ihre Ängste? Wie gut ist ihr Orientierungssinn? Am Anfang hatten die meisten noch ziemlich Angst, wenn es Nacht wurde oder Monster unterwegs waren. Stirbt man und verliert alle gesammelten Items kann das sehr frustrierend sein.

Wie kann man den Kindern den Einstieg erleichtern?

Am allerwichtigsten: Dabei sein! Die Kinder erst mal nicht alleine spielen lassen, ihre Fragen beantworten, ihre Ängste (s.o.) ernst nehmen und am besten an einem zweiten Rechner sogar selbst noch mitspielen.

Vor dem ersten Multiplayer-Spiel sollten die Kinder erst mal eine paar Runden im lokalen Kreativmodus spielen. Klappt es mit der Steuerung schon ganz gut, kann es auf den Server gehen.

Unserer Gruppe wurde der Kreativmodus auf dem Server schnell langweilig, gleichzeitig haben sie aber die tödlichen Monster ziemlich gestresst und frustriert. Deshalb habe ich zwar den Überlebensmodus eingestellt, aber die Schwierigkeit auf „friedlich“ gesetzt (wie das genau geht, steht hier), damit keine Monster angreifen. Die Kinder können sich also erst mal ganz auf das Sammeln und Craften konzentrieren und die Gegend erkunden.

Beim Erkunden werden sich die Kinder am Anfang immer wieder verlaufen. Um in so einer misslichen Lage unterstützend einzugreifen, kann der Server-Admin mit Kommandozeilenbefehlen verschiedene Aktionen ausführen, wie z.B. einen Spieler an einen andere Ort teleportieren oder auch einen bestimmten Gegenstand erschaffen und ins Inventar legen.

Am Anfang fanden ein paar der Spieler auch die nahende Nacht oder tristes Regenwetter zu gruselig. Auch hier kann der Admin mit ein paar Befehlen eingreifen und die Zeit vorstellen oder die Sonne wieder scheinen lassen.

Meine wichtigsten Befehle erkläre ich hier genauer.

Was kostet das?

Der Download ist zunächst kostenlos. Danach muss man sich aber beim Hersteller Mojang registrieren und eine Lizenz für 23,95 € kaufen. Mit einem Zugang kann man auch immer nur auf einem Gerät spielen, d.h. wenn man auf zwei Rechnern gleichzeitig spielen will, benötigt man einen weiteren Account.

Was für technische Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Für die klassische Version reicht ein einigermaßen aktueller Rechner. Auf einem 2009er MacBook Pro läuft das Spiel problemlos, auf einem noch älteren 2006er MacBook allerdings nicht mehr. Zur Steuerung empfiehlt sich eine Maus und die Tastatur, ein GamePad oder ähnliches ist nicht nötig.

Wie verständigen sich die Mitspieler?

Ein nicht zu unterschätzender Punkt, wenn Kinder zum ersten mal zusammen spielen (und sie sich nicht gegenüber sitzen) ist die Kommunikation.

In Minecraft selbst gibt es eine Text-Chat-Funktion. Für meine Drittklässler ist das aber noch zu kompliziert, deshalb haben wir zuerst eine Freisprech-Telefonschalte gemacht. Bei vier Mitspielern geht das aber nicht mehr, weshalb es jetzt auf Skype hinausläuft. Dort sind Videokonferenzen mit vier Teilnehmern sehr gut möglich.

Es empfiehlt sich Skype auf einem externen Gerät (Tablet, Smartphone) laufen zu lassen. Auf dem Spielrechner wird der Bildschirm normalerweise komplett von Minecraft vereinnahmt, weshalb das Skype-Fenster nicht mehr zu sehen ist.

Skype ist toll, weil es kostenlos ist und gute Leistung bietet, Skype ist aber auch die Usability-Hölle. Es sieht auf jeder Plattform anders aus und die Kontaktsuche ist eine Katastrophe. Wenn z.B. einer der beteiligten Parteien den Namen „Peter Müller“ trägt und man den bei Skype sucht, dann findet man garantiert nicht den Richtigen. Man braucht den eigenen Skype-Namen und den wissen viele leider nicht. Hat man Skype z.B. mit einem Microsoft Konto verknüpft, kann es sein, dass der Nutzername sowas kryptisches wie „live:pj_com_0815“ ist. Das muss man erst mal finden im eigenen Profil. Aus leidvoller Erfahrung kann ich nur raten, dass die beteiligten Eltern sich im Vorfeld erst mal auf Skype zusammenfinden und einen kleine Testkonferenz durchführen. Macht man das erst beim ersten richtigen Spieltermin geht es garantiert schief.

Läuft die Konferenz dann, muss man sich darauf einstellen, dass die Kinder erst mal in unfassbarer Lautstärke ins Mikro brüllen. Meistens so Sätze, wie „ALTER, WO BIST DU!!!!???“. Auch diese Kommunikationsart will gelernt sein.

Kann man davon süchtig werden?

Die Frage hat mir ein Vater gestellt, weil er von jemand gehört hat, der nur noch am Rechner hing um irgendwelche Gegenstände zu erschaffen, die er dann im Internet für echtes(!) Geld verkauft hat. Nach kurzem Nachfragen hat sich herausgestellt, dass er Minecraft wohl mit World of Warcraft verwechselt hat.

Soweit ich weiß, gibt es bei Minecraft keinen Markt für gecraftete Gegenstände. Wäre ja auch sinnlos, da man im Kreativmodus sowieso alles haben kann.

Außerdem gibt es auch kein Spielziel im klassischen Sinn, es ist nicht so wichtig den Charakter nach und nach mit besseren Werten auszubauen und wenn man mal einen Monat nicht gespielt hat, geht es danach genau da weiter, wo man aufgehört hat. D.h. klassische Spielmechanismen, die eine Sucht vielleicht bestärken, fehlen hier, bzw. sind nicht so im Fokus.

Computerspielsucht gibt es, aber bis es soweit kommt, muss schon einiges passieren.

Ist das nicht gewaltverherrlichend?

Unter allen Computerspielen hat Minecraft, auch bei besorgten Eltern, meiner Erfahrung nach immer noch den besten Ruf. Auf einem Medienelternabend an unserer Grundschule wurde es vor einem Jahr als empfehlenswert hervorgehoben, weil es ja so toll kreativ sei. Also eine Art virtuelles LEGO. Das stimmt auf der einen Seite natürlich.

Auf der anderen Seite gibt es den Überlebensmodus, in dem man auch mal mit einem Pfeil auf einen Zombie schießen muss. Und meiner Beobachtung nach macht das den Kindern durchaus Spaß (mir auch). Ebenfalls probieren sie am Anfang natürlich aus, sich gegenseitig mal mit dem Schwert auf den Kopf zu hauen.

Die Gewaltdarstellung ist dabei aber sehr pixelig und abstrakt, Blut fließt keines und das Hauptziel des Spiels ist auch nicht das Ausschalten von Enderman oder Hexen. Gewalt wird also nicht verherrlicht.

Was sonst noch?

Es ist interessant den Drittklässlern dabei zuzuschauen, wie sie sich nach und nach immer besser in der Multiplayer-Welt zurecht finden, wie sie miteinander kommunizieren und sich absprechen, wer was für eine Aufgabe übernimmt.

Minecraft ist auch außerhalb der wöchentlichen Multiplayer-Session eines der großen Themen. Auf dem Pausenhof werden Pläne geschmiedet, was als nächstes gecraftet werden soll, Tipps werden ausgetauscht und, das hat mich am meisten überrascht: Bücher werden verschlungen. Es gibt zahlreiche Begleitliteratur, wo ausführlich die unterschiedlichen Crafting-Rezepte erklärt werden. Mein Sohn hat eigentlich sonst wenig Bock auf Lesen, aber in den letzten Wochen hat er einige Minecraft-Bücher durchgearbeitet und kann mittlerweile unfassbar viele Crafting-Rezepte auswendig.

Da Minecraft kein wirkliches Spielziel hat (rette die Prinzessin oder so) besteht auch eine der Hauptaufgaben darin, sich dieses Spielziel selbst zu setzen. Am Anfang hat sich die Gruppe die ganze Woche bis ins Detail überlegt, was sie beim nächsten Termin alles machen wollen. Und dann war Montag und alle sind nach fünf Minuten wieder in alle Richtungen weggelaufen und haben was ganz anderes gemacht. Erst jetzt, nach ein paar Wochen, finden sie sich langsam und haben es geschafft ein gemeinsames Baumhausdorf zu bauen, von wo aus sie weitere Expeditionen starten wollen (das ist mittlerweile zu Teilen wieder abgebrannt, aber das ist eine andere Geschichte). Sie lernen also langsam sich zu organisieren und aus einer unendlichen Vielzahl von Möglichkeiten ein Ziel zu setzen. Schaffen viele Erwachsene auch mit 30 noch nicht.

Wie richte ich meinen eigenen Minecraft-Server ein?

Das erkläre ich ausführlich hier, hier und hier.

Wo gibt es weiterführende Informationen?

Die wichtigste Anlaufstelle für alle Fragen ist das deutsche Minecraft-WIKI. Dort findet man wirklich alles. Ansonsten gibt es, wie schon erwähnt, massig Begleitliteratur mit der man sich gut einlesen kann. Mein Sohn hat bisher die Bücher aus dem Egmond Schneider Verlag und Minecraft leicht gemacht gelesen.

Und auf youtube natürlich einen riesigen Haufen Lets Plays und How-Tos.

6 Gedanken zu „Einen Minecraft-Server für Kinder einrichten“

  1. Super Beitrag! Und spiegelt meine Erfahrungen mit Kindern und Eltern zum Thema Minecraft ziemlich genau. Wir haben die Phase mittlerweile hinter uns, aber mir hat es Spaß gemacht und ich hab auch manche Stunden alleine gespielt. Die Kinder haben es geliebt, wenn ich mitgespielt habe und waren stolz wie Bolle, wenn sie mir erklärt haben, was sie alles Neues gecrafted haben. Wenn man das Spiel kennt, dann kann man das auch wertschätzen, was die Kinder einem wiederum hoch anrechnen. Ich weiß, unsere Zeit ist kostbar und wir sollten doch lieber alle zusammen an die frische Luft! Minecraft kann auch Waldspaziergänge bereichern, wenn man mit den Kids darüber nachdenkt, wo man an einem Abhang am ehesten nach Kohle suchen würde. Ich sag ja nur.

    1. Hallo ich hab deinen Beitrag mit Genuss gelesen dürfte ich dich mal um einen Gefallen bitten wo bekomme ich denn all umfassende Infos um nicht wieder Ochs Vormberg am iPad zu sitzen und es wieder nicht zu schaffen mit meinem achtjährigen Sohnemann zusammen minecraft zu spielen.
      Ich bin leider Generation Pingpong Computerspiele Tischchen mit Drehknopf und mir gelingt einfach nicht der Zugang zu dieser Materie. Bin einfach konsequent lieber im Wald oder an der frischen Luft habe werde mir deine Begeisterung zu Herzen nehmen falls du mir hilfst die richtige Anführungszeichen ……minecraft für dummes……. zu finden…..wirklich ganz ganz besonderen Dank für deine Hilfe

  2. Minecraft ist ein kleiner Diamant unter den Computerspielen. Wir hatten sehr lange einen Server am ITSec Lehrstuhl laufen und trafen uns regelmäßig zum „craften“. Sehr schön, dass du es deinen Kindern ermöglichst in diese wunderbare Welt einzutauchen. Es gibt kaum ein kreativeres Spiel auf dem Markt.

    Als Skype Alternative würde ich übrigens teamspeak empfehlen. Das wird üblicherweise in diesen Kreisen eingesetzt und kann eben auch einfach selbst betrieben werden.

    Weitere wunderbare Spiele dieses Kalibers: Kerbal Space Programm und Star Drew Valley. Ersteres spielen übrigens sogar die Astrophysiker der ESA hier an der Münchner Südsternwarte. Nein, das ist kein Witz 😉

  3. Vielen Dank, Chris.

    Teamspeak hatte ich zunächst auch überlegt, aber ich wollte den anderen Eltern nicht noch ne neue Software zumuten. Einen Skype-Account hatte schon jeder. Teamspeak können die Kids ja dann in 2 Jahren selbständig einrichten.

    Kerbal Space Program und Star Drew Valley schau ich mir auf jeden Fall mal an.

  4. Pingback: Heiko Bielinski

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