Kontext ist König

Kontext, ein Link auf die Quelle und den Text ganz durchlesen.

Zu dem Thema wollte ich eigentlich schon vor zwei Monaten was schreiben, aber mir hat ein drittes Beispiel gefehlt. Jetzt hab ich mir das dritte Ei einfach selbst ins Nest gelegt.

Es geht um aus dem Kontext gerissene Zitate auf Bildtafeln und halb abfotografierte Textausschnitte. Geteilt auf Twitter und Facebook. Ohne Quellenangabe und manchmal ohne den zugehörigen Text gelesen zu haben.

Wenn man Populisten für sowas kritisiert, dann ist das richtig. Man sollte dann bei sich selbst aber auch dieselben Maßstäbe ansetzen.

Dank sozialer Netzwerke sind mittlerweile alle Menschen Sender und potentielle Meinungsmacher. Gleichzeitig verleiten die Mechanismen von Twitter und Facebook dazu in kommentierendem Sofortismus schnell eine Meinung oder Empörung (oder einfach nur einen schlechten Witz), meistens in sehr verkürzter Form, zu äußern.

Die Punkte, die @dvg, @diskomanni und ich auf fairer-teilen.de (Partnerseite von gegen-die-panik.de) aufgeschrieben haben, beziehen sich zwar eigentlich auf drastischere Hasskommentare und Falschmeldungen, aber im Prinzip kann man sich einige davon auch bei weniger dramatischen Inhalten und Themen für den Privatgebrauch zu Herzen nehmen. Bevor man einen Link teilt, den Inhalt komplett durchlesen, immer eine Quellenangabe dazu und vor der abgesendeten Empörung mehrmals kurz durchatmen.

Drei Tweets von geschätzten Twitteren (und mir), bei denen ich mir eine weniger schnelle Empörung und/oder eine ordentliche Quellenangabe gewünscht hätte.

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Senior Consultant Cash Flow

Den Tweet habe ich gestern abgeschickt. Der Artikel ist aus der Mitgliederzeitung alpinwelt des DAV (02/2017, S. 16). Ich habe beim Mittagessen nur die Einleitung überflogen, bin bei der absurden Berufsbezeichnung Senior Cash-Flow Consultant hängen geblieben, hab nicht weitergelesen, lieber ein Foto für einen schnellen Gag gemacht (Haha! Checkt mal die bescheuerten Berufsbezeichnungen dieser Businesshanseln …) und keine Quelle angegeben. Dazu hab ich auch noch die Berufsbezeichnung im Tweet falsch zitiert und später am Tag weitergelesen und festgestellt: der Artikel ist eine (eher mittelmäßige) Satire. Ganz stark, Heiko!

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Katrin Bauerfeind und der humorlose Feminismus

Auf der Texttafel steht leider keinerlei Quellenangabe. Das Zitat scheint aus einem ZEIT-Interview zu sein. Eine ähnliche Aussage findet sich auch in einem Interview mit der SZ. Liest man sich dieses ungefähr zeitgleich entstandene Interview durch, findet man durchaus vielfältigere Aussagen von Katrin Bauerfeind zum Feminismus, als die Texttafel vermuten lässt.

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Jedes Kind kann schlafen

Der Textauszug ist aus einer Zeit-Beilage zum Thema Familie und Erziehung. In dem Auszug wird der umstrittene Elternratgeber Jedes Kind kann schlafen lernen erwähnt. Anders, als die Tweets vermuten lassen, wird die darin propagierte Methode in dem Artikel aber nicht beworben und empfohlen. Der Absatz dient eher als formale Hinleitung zum eigentlichen Thema und bekommt dazu auch noch eine konträre Erziehungsmethode gegenüber gestellt.

 

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