Sechs Monate ohne eigenes Auto – Eine Zwischenbilanz

Schon Anfang 2013 hab ich ausführlich durchgerechnet, was uns ein eigenes Auto kostet. Ausgangsbasis war unser jährlicher, durchschnittlicher Mobilitätsbedarf (10440 Kilometer) mit 12 Wochenendfahrten (3 Tage, je 600 Kilometer), einer Urlaubsfahrt (2 Wochen, 1500 Kilometer), 10 Ausflugsfahrten (11 Stunden, 150 Kilometer) und 12 kleineren Fahrten (3 Stunden, 20 Kilometer), sowie Versicherung, Steuer, Werkstatt und Wertverlust. Unter dem Strich stand beim eigenen Auto 4169,66 €. Die Prognose für die selben Anforderungen unter Nutzung von Car-Sharing-Angeboten lag bei 4097 €. Die genaue Kalkulation kann man in diesem Spreadsheet nachvollziehen.

Ende 2013 haben wir unser Auto dann tatsächlich verkauft und sind jetzt seit einem halben Jahr ohne eigenes Fahrzeug. Zeit für eine erste Zwischenbilanz.

Die Zahlen

Bis zum 5.6.2014 haben wir 4125 Kilometer zurückgelegt und dafür 1009,23 € ausgegeben. Damit haben wir noch nicht ganz die Hälfte der prognostizierten Entfernung zurückgelegt und erst ca. 1/4 des vorausgesagten Budgets aufgebraucht. Das liegt v.a. daran, dass wir neben Car-Sharing auch auf Bahn und Fernbus zugegriffen haben. V.a. die Fernbusse sind unschlagbar günstig und auch bei der Bahn kann man, zumindest mit BahnCard25 und rechtzeitiger Buchung, mit Sparpreisen oft günstiger als mit dem Auto reisen.

Im Juli werden die Zahlen noch mal deutlich nach oben gehen. Wir fahren in den Urlaub und werden dieses Jahr voraussichtlich 3000 Kilometer mit dem Auto zurücklegen. Danach werden wir voraussichtlich bei 7125 Kilometern und 2309 € Gesamtkosten liegen. Das ist dann doppelt so viel, wie in der Prognose für den Jahresurlaub veranschlagt (gleicht sich aber auch wieder gut aus, weil wir glücklicherweise für die Unterkunft nichts bezahlen müssen)

Nach momentanem Stand kann man bis zum Jahresende wohl davon ausgehen, dass wir die 4169,66 €, die ein eigener Wagen kosten würde, nicht reißen werden.

Die exakte Kostenverteilung findet ihr im Spreadsheet (die gelb markierten Fahrten sind von STATTAUTO noch nicht final abgerechnet):

Die Fortbewegungsmittel

Car-Sharing

STATTAUTO München

Hat eine sehr große Auswahl unterschiedlicher Fahrzeuge. Im Umkreis von einem Kilometer haben wir fünf Leihstationen zur Verfügung. Die beiden nächstgelegenen sind jeweils knapp 400 Meter entfernt. Der Reservierungsvorgang geht komfortabel und zuverlässig über die Cambio-App. Der Support ist bei Problemen rund um die Uhr erreichbar und war bisher immer freundlich und hilfsbereit. Nervig ist, dass man auf die genauen Abrechnungen immer 1–2 Monate warten muss. Da wäre ein System, wie bei DriveNow wünschenswert, bei dem sofort nach Fahrtende alle Daten übermittelt werden und kurz darauf die Abrechnung aufs Handy zugestellt wird.

DriveNow

Haben wir bisher drei mal für kurze Fahrten in der Stadt genutzt. Im Vergleich zu STATTAUTO sind die Kosten höher. Dafür kann man das Auto aber auch überall abstellen und muss nicht zurück zu einer Station. In den 1er BMWs sind angeblich Sitzerhöhungen für Kinder Standard. Bei einer Fahrt hatten wir eine Erhöhung im Kofferraum, bei der nächsten Fahrt fehlte diese. Eine Aufstockung auf standardmässig zwei Sitze wäre gut. Der Reservierungsvorgang geht zuverlässig und schnell über die App. Die Fahrzeugflotte scheint im Innenstadtbereich ziemlich breit aufgestellt zu sein.

Car2Go

Haben wir bisher noch nicht genutzt. Bietet nur Smarts an und kommt deshalb für Fahrten mit den Kindern sowieso nicht in Frage.

CiteeCar

Haben wir bisher ebenfalls noch nicht genutzt. Die Fahrzeugflotte ist wesentlich dünner als bei DriveNow und Car2Go.

Die Bahn

Für Fahrten zwischen größeren, gut erreichbaren Städten auf jeden Fall mein Lieblingstransportmittel. Für Familien empfiehlt sich die BahnCard25 mit der man auf Sparangebote noch mal einen Preisnachlass bekommt. Mit Kindern reist es sich, wenn man sich bezüglich der Mitreisenden ein bisschen locker macht, am entspanntesten. Mit expliziten Familienabteilen hab ich bisher keine guten Erfahrungen gemacht. Außerdem sehe ich auch nicht ein, warum man Kinder in extra Abteilen wegsperren sollte. Ein Vierertisch im Großraumabteil, ein paar Spiele, Malsachen und ein iPad reichen locker für eine längere Fahrt.

Fernbus

Zur #rp14 sind wir vor ein paar Wochen mit dem ADAC Postbus und meinfernbus ohne Kinder nach Berlin und wieder zurück gefahren. Das hat ziemlich gut geklappt. Beide Fahrten waren pünktlich, die Busse recht neu und komfortabel. Länger als die acht Stunden nach Berlin würde ich da drin allerdings nicht sitzen wollen. Das versprochene WLAN hat beides mal nicht funktioniert, beim ADAC gab es wenigstens Steckdosen in allen Sitzreihen, bei meinfernbus fehlten diese. Mit Kindern würde ich wahrscheinlich maximal drei Stunden im Fernbus zurücklegen. Für längere Strecken bieten die Busse dann doch zu wenig Freiraum und machen zu selten Pause. Die Preise sind momentan unschlagbar günstig und in München erreicht man den ZOB sehr schnell mit der S-Bahn (in anderen Städten liegen die Haltestellen dagegen gerne auch mal etwas dezentraler)

Sonst so?

Wenn man seit seinem 18. Lebensjahr immer ein eigenes Auto hatte, ist es zunächst etwas seltsam, wenn man das dann für immer verkauft. Ich hab mich daran aber relativ schnell gewöhnt und hatte das letzte halbe Jahr dafür eine größere Anzahl 500€-Scheine rumliegen, die von erstaunlich wenigen Supermärkten als Zahlungsmittel akzeptiert werden. Und schon alleine nie wieder mit Gebrauchtwagenhändlern, die z.B. Heinz Hering heißen, zu tun haben zu müssen, hat den Verkauf gelohnt.

Ein bisschen mehr planen muss man. Wobei man ja viele Fahrten mit dem eigenen Auto auch vorausplant. Man wägt aber auf jeden Fall mehr ab, welches Verkehrsmittel man für welche Fahrt wählt. Das ist natürlich ein größerer Rechercheaufwand, führt aber auch dazu, dass man neben dem Auto öfter Alternativen wählt und dadurch erheblich Geld spart. Außerdem kann man beim Car-Sharing immer genau den Fahrzeugtyp leihen, den man gerade braucht. Wir hatten z.B. bisher noch nie einen Kombi, sondern immer die günstigeren Klein- oder Mittelklassewagen.

Wenn man die ersten Car-Sharing-Abrechnungen für eine dreitägige Wochenendfahrt bekommt, schluckt man schon mal, wenn dafür gute 200€ abgehen. Da hilft es dann immer, sich die Kalkulationstabelle und den aktuellen Zwischenstand zu vergegenwärtigen.

Was nervt?

Am Anfang: die unterschiedlichen Autos, die man beim Car-Sharing ausleiht. Bei jedem sind die Knöpfe irgendwo anders, jeder fährt sich anders und wenn man zum ersten mal einen Hybrid lenkt, der an der Ampel automatisch ausgeht, wird man schon mal leicht panisch. Nach ein paar Wochen hat man aber seine 2–3 Standardautos in der Umgebung, mit denen man immer wieder fährt und an die man sich dann langsam gewöhnt.

Im letzten halben Jahr habe ich das eigene Auto vielleicht 3–4 mal wirklich vermisst. Das war immer bei Regen und die Kinder mussten irgendwo hin transportiert werden.

Außerdem muss man die Kindersitze jedes mal ein- und ausbauen. Da wir aber in absehbarer Zeit komplett auf reine Sitzerhöhungen umsteigen können, wird das auch weniger aufwändig werden.

Was ist toll?

Wir sparen, zumindest nach aktueller Zwischenbilanz, Geld. Ich muss nie wieder Reifen wechseln und mich in der Werkstatt übers Ohr hauen lassen und wir können immer genau das Verkehrsmittel wählen, was am besten zur Fahrt passt. Man fährt noch mehr Fahrrad und geht öfter zu Fuß.

Und können wir noch spontan zu IKEA fahren?

Geht. Meistens. Ich hab die ersten paar Monate jeden Samstag die Car-Sharing-Anbieter gecheckt und es war eigentlich fast immer irgendwas frei.

5 Gedanken zu „Sechs Monate ohne eigenes Auto – Eine Zwischenbilanz“

  1. 13 Jahre ohne eigenes Auto – eine Abschlussbilanz ;o)
    Ich habe schon vor mehr als 13 Jahren das eigene Auto abgeschafft und es seither nie vermisst. Ihre Erfahrungen der ersten sechs Monate kann ich also weitgehend bestätigen, es geht (wenn man nicht gerade auf dem platten Land lebt) wirklich ohne eigenes Auto. Ergänzen möchte ich noch als alternative Verkehrsmittel das Fahrrad und das Taxi. Es ist der Mix von Bahn und Bus, Carsharing, Fuß und Fahrrad sowie Taxi, der ein eigenes Auto entbehrlich macht. Meine Erfahrungen mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln habe ich in meinem Blog „Umwelthaushalt.de“ in der Kategorie „Mobilität“ gesammelt: http://umwelthaushalt.de/category/mobilitaet/

  2. Schon mal über ein Lastenrad nachgedacht? Transportiert je nach Modell bis zu drei oder vier Kinder und man kann damit auch zu Ikea – nicht gerade für die neue Küche, natürlich.

  3. Kleiner Tipp: Es gibt Apps, die in der Stadt Verkehrsmittel (ÖPNV, CarSharing, Bike) nach Verfügbarkeit und Preis vergleichen. Das hilft zum Beispiel, wenn man spontan irgendwo hin muss.

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