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Soziales Backup

Wie man die eigenen Inhalte von Facebook & Co sichern kann. Und warum man das tun sollte.

Wir posten und liken täglich zahllose Beiträge in sozialen Netzwerken. Aber wohin verschwinden eigentlich die ganzen Inhalte und viel wichtiger: wie komme ich wieder an sie ran?

Postings in den meisten sozialen Netzwerken sind flüchtig. Mit dem steten Voranschreiten der eigenen Timeline wandern ältere Beiträge und Aktivitäten immer weiter nach unten, um irgendwann ganz zu verschwinden.

Wo war noch mal das leckere Muffins-Rezept, das ich vor drei Jahren auf Pinterest geliked habe, wie finde ich jetzt den total relevanten Fachartikel aus meiner Twitter-Timeline wieder und warum liegen die Instagram-Urlaubsbilder von 2010 eigentlich nicht mehr auf meiner Festplatte?

Jede soziale Plattform bietet zwar unterschiedlich ausgefeilte Such- und Sicherungsmöglichkeiten, aber die meisten davon sind ziemlich mittelmässig bis schlecht. Wer schon mal auf Facebook ganz dringend ein mehrere Jahre altes Posting gesucht hat, kann das bestätigen.

Damit die eigenen Social-Media-Aktivitäten nicht so leicht verloren gehen, gibt es Tools, die diese plattformübergreifend einsammeln und auf dem eigenen Rechner oder Smartphone lokal abspeichern und daraus einen sogenannten chronologischen Lifestream oder Lifelog erstellen. Also eine Art digitales Tagebuch.

Aber warum sollte man das überhaupt wollen? Ein paar gute Gründe gibt es:

Es sind Ihre Daten!

Die scheinbar kostenlose Nutzung sozialer Netzwerke ist natürlich nicht umsonst. Wir bezahlen dafür mit unseren Daten. Facebook verdient an jedem unserer Postings und Likes, in dem es die Information vermarktet und z.B. entsprechende Werbung schaltet. Mit unserem sozialen Backup verhindern wir das natürlich nicht, aber wir holen uns zumindest die von uns generierten Inhalte zurück.

Nichts ist für die Ewigkeit

Soziale Netzwerke kommen und gehen. Erinnert sich noch jemand an studiVZ oder MySpace? Und mit dem Verschwinden einer Plattform verschwinden auch unsere persönlichen Inhalte. Wenn Facebook irgendwann mal den Stecker zieht, sind auch die ganzen süßen Babybilder aus dem ersten Jahr weg und wenn Twitter das Geld ausgeht, fehlen auf einmal alle gefavten Tweets mit den wichtigen Links zu den ganzen Fachartikeln. Der lokal gespeicherte, digitale Safe vergisst dagegen nichts und ist auch noch besser durchsuchbar.

Mehr Überblick

Wer viel in sozialen Netzwerken aktiv ist, gibt viele unterschiedliche Informationen über sich preis. Ortsdaten, Vorlieben, persönliche Beziehungen. Jede einzelne Aktion für sich erscheint einem dabei gar nicht so problematisch. Sammelt man aber alle Aktivitäten an einem zentralen Ort, bekommt man ein gutes Gefühl dafür, wie sich all diese kleinen Puzzleteile zu einem großen Persönlichkeitsprofil summieren. Und man kann dann fundierter entscheiden, ob man das gut findet oder eher nicht und das eigene Verhalten entsprechend anpassen.

Der persönliche Rückblick

Alle Foursquare-Checkins, Instagram-Bilder und Facebook-Postings in einer chronologischen Timeline zusammengefasst ergeben ein wunderbares Tagebuch mit dem man z.B. noch mal den letzten Sommerurlaub oder das zurückliegende Jahr Revue passieren lassen kann.

Zahlen und Statistiken

Aus einem zentralen Datensafe kann man relativ einfach persönliche Statistiken erstellen. Wie oft war man Joggen? Bei wie vielen Restaurants hat man im letzten Jahr eingecheckt und wie oft hat man Tatort geschaut? Die Daten kann man dann z.B. dazu nutzen um persönliche Verhaltensweisen zu ändern oder eben nicht.

Um die eigenen Social-Media-Aktivitäten einzusammeln, gibt es verschiedene Tools. Keines der Programme ist perfekt und deckt alle sozialen Netze und Bedürfnisse komplett ab. Die Lösungen reichen von einfachen, anfängerfreundlichen Programmen, bis hin zu individuellen Bastellösungen für Fortgeschrittene.


Für Anfänger

Digi.me/Social Safe
OSX/Windows, kostenlos (Free), 6,99$ – 27,99$/Jahr (Premium)

In der kostenlosen Version kann man bis zu vier Social-Media-Accounts archivieren. Mit Instagram, Facebook, Twitter, Google+, Flickr und Pinterest werden die wichtigsten Netzwerke abgedeckt. Über die RSS-Funktion kann man auch relativ einfach kleinere Dienste (wie z.B. Goodreads) importieren.

Die Einträge sind nach zahlreichen Kriterien filterbar. Es gibt eine chronologische Tagebuchansicht, man kann sich alle Bilder anschauen und es gibt verschiedenen Statistiken. Alles ist im Volltext durchsuchbar und kann nach Datum eingeschränkt werden. Die Premium-Version bietet zusätzliche Dienste und Export- und Suchmöglichkeiten. Es werden auch alle alten Einträge importiert.

Momento
iOS (0,99€)

Momento importiert neben Facebook und Twitter auch weitere Netzwerke, wie z.B. Foursquare oder Last.fm. Zusätzlich zu den automatisch importierten Einträgen, kann man auch noch eigene Tagebucheinträge erstellen, die dann nur privat in der App gespeichert werden. Die Einträge werden in einer chronologischen Kalenderansicht dargestellt. Man kann die Daten (inklusive der Fotos) exportieren. Außerdem kann man sich regelmässige Erinnerungen erstellen, damit man nicht vergisst Tagebuch zu führen.


Saga
iOS (kostenlos), Android (kostenlos)

 Neben den bekanntesten sozialen Netzwerken kooperiert Saga auch mit zahlreichen Fitnesstrackern, so dass man im Saga-Lifelog auch problemlos seine sportlichen Aktivitäten mit einbauen kann. Auch private Tagebucheinträge sind möglich. Alle Daten kann man exportieren. Die Oberfläche und Kalenderdarstellung ist im Vergleich zu Momento wesentlich hässlicher.

Narrato
iOS (0,99€)

Narrato unterstützt lediglich Facebook, Twitter, Instagram, Foursquare und Moves. Um die App zu nutzen, muss man sich zusätzlich einen Narrato-Account zulegen. Man kann dann sein Lifelog privat führen oder auch für andere Nutzer freigeben. D.h. die aggregierten Daten werden auf den Servern des Anbieters zwischengespeichert. Ähnlich wie bei Momento und Saga kann man zusätzlich von Hand Tagebucheinträge anlegen.


Für Fortgeschrittene

IFTTT
Browserbasiert, kostenlos

If this than that ist ein Webdienst, der zahlreiche andere Webdienste miteinander verknüpft. Man legt dazu so genannte Rezepte an. Ein Rezept hat immer den gleichen Aufbau: Wenn etwas passiert, dann mache was anderes (if this than that). Wenn man also z.B. ein Foto bei Instagram postet, dann kopiere dieses Foto in meine Dropbox. Ein Rezept lässt sich über die übersichtliche Oberfläche anlegen. Außerdem kann man aus einer großen Anzahl an bestehenden Rezepten auswählen und diese einfach kopieren. IFTTT deckt mittlerweile eine beeindruckende Anzahl an Diensten ab und ist einfach zu bedienen. Die Schwierigkeit für den Einsteiger besteht darin, aus der großen Anzahl an Rezepten die richtigen herauszufinden.


Für Profis

DayOne
OSX (9,99€), iOS (4,99€)

DayOne ist von Haus aus zunächst mal eine reine Tagebuch-App. D.h. man kann manuell regelmässig klassische Tagebuch-Einträge erstellen, die man z.B. mit Fotos oder Ortsdaten anreichert. Die Einträge werden über iCloud oder Dropbox synchron gehalten und sind somit sowohl vom Smartphone, als auch vom Laptop aus pflegbar. Die Oberfläche ist sehr übersichtlich und komfortabel gehalten. Es gibt aber keinerlei automatisierte Anbindung an weitere soziale Netzwerke. Möchte man neben den persönlichen Tagebucheinträgen auch noch Postings von Facebook oder Instagram beimischen, muss man selbst Hand anlegen und das Kommandozeilentool Slogger 2.0 auf dem heimischen Rechner installieren. Zumindest ein Grundverständnis für die Funktionsweise einer Skriptsprache und das genaue befolgen der englischsprachigen Anleitung sind dazu notwendig. Hilfe findet man mit etwas Geduld auch im Support-Forum.


Reclaim Social Media
WordPress-Plugin, kostenlos

Reclaim Social Media ist ein Projekt des Bloggers Felix Schwenzel. Es handelt sich dabei um ein Plugin für das bekannte Blogsystem WordPress. Um es zu nutzen, benötigt man zunächst eine eigene WordPress-Installation. Danach installiert man das Plugin und verknüpft es mit den gewünschten Social-Media-Diensten. Das Plugin ist immer noch im Beta-Stadium und es ist momentan unklar ob und wie es damit weitergeht. Für die Nutzung sollte man auf jeden Fall Kenntnisse in der WordPress-Administration besitzen. Ich nutzen das Plugin momentan selbst und es funktioniert zuverlässig. Ich habe einige anfängerfreundliche Anleitungen zur Installation und Anwendung des Plugins in meinem Blog aufgeschrieben.


Fazit:

Für Einsteiger am einfachsten zu bedienen ist Digi.me. Wer allerdings mehr als vier Social-Media-Accounts nutzen will, kommt um die Jahresgebühr nicht herum. Momento hat die schönste Oberfläche, Saga deckt die meisten Dienste ab (ist aber leider ziemlich hässlich) und beide sind nur auf dem Smartphone nutzbar. DayOne könnte die die ideale Lifelog-App sein, wenn es von Haus aus Social-Media-Dienste unterstützen würde. So bleibt es ein Werkzeug für Skript-Bastler. Wer gerne die komplette Kontrolle behält und genügend Zeit und Vorkenntnisse mitbringt, sollte sich das Reclaim Social Media-Plugin anschauen. IFTTT ist auch für Einsteiger schnell verständlich, erfordert aber auch einiges an Zeit und Vorüberlegung.

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