Zündfunk Netzkongress 2015

Am Wochenende fand der 3. Zündfunk Netzkongress im Münchner Volkstheater statt. Die Veranstalter selbst bezeichnen sich als Weisswurst-re:publica. Was eigentlich ganz gut passt, bringt es doch eine Gemütlichkeit und Unaufgeregtheit auf den Punkt, die ich als sehr angenehm empfand. Es ist alles viel kleiner und übersichtlicher und man kann, als Einheimischer, ohne großen Aufwand nach der Arbeit oder anderen familiären Erledigungen noch kurz vorbeikommen und sich ohne Platzprobleme in einen Vortrag setzen. Und zumindest das, was ich am Samstag gesehen habe, war durchwegs hervorragend. All Killer, no filler.

In aller Kürze ein paar Kuckempfehlungen.

Die dritte industrielle Revolution

@anked über 3D-Drucker, die Häuser, Autos und sogar Körperteile ausdrucken. Ich habe nur die letzten 15 Minuten gesehen, einiges davon hat sie aber auch schon im Interview bei FluxFm Spreeblick erzählt. Wenn nur die Hälfte von dem passiert, was sie voraussagt, wird es krass werden. Einiges davon findet man auch in den empfehlenswerten Thrillern von Daniel Suarez wieder. V.a. in Darknet und Daemon.

 

Flüchten mit Facebook statt Schleusern

Während besorgte Bürger sich noch darüber aufregen, dass die meisten Flüchtlinge Smartphones dabei haben, weiss man als halbwegs aufgeklärter Mensch schon länger, warum das so ist. Das Smartphone dient als Fluchthelfer und als Kontakt in die Heimat. Aber was bedeutet das eigentlich im Detail?

Der Journalist Sammy Khamis gibt in seinem Vortrag einen eindrucksvollen Einblick, wie Flüchtlinge ihre Flucht mit dem Smartphone organisieren. Schlepper, die Facebookseiten betreiben wie Reiseveranstalter und sich für gute Bewertungen fein rausputzen. Flüchtlinge, die ein Reistagebuch führen und ihre Familie zu Hause auf dem Laufenden halten und sich in Facebookgruppen gegenseitig tagesaktuelle Tipps geben, wo gerade Grenzübergänge offen sind und wie das Wetter auf dem Mittelmeer ist. Die Überfahrt wird dann direkt über WhatsApp gebucht.

 

PENG! Exit here

Das PENG! Kollektiv will mit „kreativen Politstunts“ und subversiven Kampagnen zu zivilem Ungehorsam ermuntern. Ähnlich wie das Zentrum für politische Schönheit starten sie professionell gestaltet Kampagnen. Zuletzt die Fluchthelferinitiative, die dann tatsächlich dazu führte, dass viele Menschen mit ihren Autos Flüchtlinge über die Grenze gebracht haben. Ihre neueste Aktion ist Intelexit, ein Aussteigerprogramm für Geheimdienstmitarbeiter. In seinem Vortrag berichtet Jean Peters, wie schnell die Wirklichkeit manchmal ihre Kunstaktionen einholt und wie sie mit ihrer Verantwortung umgehen. Bereits nach einer Woche hatten sich mehrere Geheimdienstmitarbeiter gemeldet. Am Ende ruft er zu Spenden auf und es flattert Geld auf die Bühne.

 

Die Kunst des Trollens

Linus Neumann erklärt gute und böse Trolle. Und er erklärt, wann man in einer Online-Diskussion verloren hat. Das geht ziemlich schnell. Und wer schon mal eine Community verwaltet hat oder in eine ausufernde Twitter-Diskussion verstrickt wurde, findet sich hier ganz schnell wieder. Im Anschluss an den Vortrag gab es noch eine gute Diskussionsrunde mit Linus Neumann, Daniel Wüllner und Leena Simon.

Beide Videos sind momentan leider noch nicht online. Es gibt aber ein kurzes Interview mit Linus Neumann.

 

Und hier der Vortrag:

 

Zusammen mit Tim Pritlove macht Neumann auch den Podcast Logbuch: Netzpolitik.

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