14.11.2016

Am Tag der US-Präsidentschaftswahl schickt mir eine Bekannte (ca. 20 Jahre, mittlerer Bildungsabschluss) den Link auf das Video, in dem Obama eine Rede vor Journalisten hält und er am Ende den Micdrop macht.

Die Bekannte kommentiert sinngemäß: Krass, Obama macht hier grad ne Hitlergeste, wegen/gegen Trump. Ich erkläre ihr, wo das Video tatsächlich herkommt, das es schon älter ist und frage, ob sie denn überhaupt mal angehört hat, was Obama da redet. Hat sie nicht. Sie hat also ein aus dem Zusammenhang gerissenes Video in ihrem Facebook-Stream ohne Ton auf ein tagesaktuelles Ereignis bezogen und es komplett falsch interpretiert.

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Das Wallstreet Journal hat die beiden Facebook-Streams von konservativen und liberalen Wählern exemplarisch nebeneinander gestellt und eine Studie hat herausgefunden, dass viele Menschen News auf Facebook quasi ungelesen weiterteilen.

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Maximilian Buddenbohm erzählt auf einem Barcamp, wie er sein Familienblog betreibt und wie die Mediennutzung seiner beiden Jungs im Alltag aussieht. Ich war nicht vor Ort. Die Zusammenfassung auf dem Scribble kam mir aber zu großen Teilen (die linke Seite) sehr bekannt vor.

Unsere beiden Kinder nutzen zu Hause auch zwei alte Smartphones, die nur im WLAN funktionieren. Die Nutzung erfolgt relativ unreglementiert und es gibt auch keine Medienzeiten im klassischen Sinne (mehr dazu vielleicht mal in einem eigenen Blogpost). Jedenfalls kommt als Feedback von anderen Eltern zum einen, dass sie sich dadurch stark unter Druck gesetzt fühlen und zum anderen auch eine große Unsicherheit und Unwissenheit was den Umgang mit digitalen Medien angeht.

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Wie sollen digital skeptische oder stark verunsicherte Eltern ihren Kindern beibringen, wie soziale Medien und ihre Mechanismen wirklich funktionieren? Wo die Gefahren, wo die Chancen liegen und wie man Informationen bewertet und prüft?

Im schulischen Umfeld meiner Kinder sehe ich da momentan jedenfalls keine brauchbaren Angebote.

Wenn sich also gerade viele (in meiner Filterblase, Timeline, whatever …) fragen, was sie denn konkret machen können gegen Filterblasen, Hatespeech, Cybermobbing und (Online)-Populismus, dann wäre eine Idee, das über die letzten Jahre angesammelte Digital-Know-How endlich mal verständlich weiterzugeben. Und zwar nicht nur an die eigenen Kinder und Freunde, sondern an alle gesellschaftlichen Schichten.

Man kann z.B. einen Verein mitgründen, muss aber auch das Rad nicht unbedingt neu erfinden. Es gibt zahlreiche Initiativen und medienpädagogische Angebote, die man aktiv oder passiv (mit Geld) unterstützen kann. In vielen Städten veranstalten z.B. auch Bibliotheken regelmäßig Medien-Fortbildungen für alle Altersgruppen. Mit ein bisschen Recherche sollte da für jeden was unterstützenswertes dabei sein.

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